Barrierefreie Bäder - Gesundes Bauen und Wohnen für Generationen

Profile picture for user Jürgen Pietsch
Jürgen Pietsch

Was bedeutet „gesundes Wohnen“ für Sie? Denken Sie vielleicht zuerst an möglichst schadstofffreie Möbel und Einrichtungsgegenstände, emissionsarme Bodenbeläge und Farben? Oder stehen Klimaschutz und Nachhaltigkeit ganz oben auf Ihrer Liste? Keine Frage, all diese Themen gilt es zu berücksichtigen. Mit unserem Artikel möchten wir Sie zusätzlich auch für das Thema Barrierefreiheit im Kontext des gesunden Wohnens sensibilisieren, insbesondere im Bereich des Badezimmers. Denn gesundes Wohnen bedeutet für uns auch, dass man sich in den eigenen vier Wänden ein Leben lang uneingeschränkt wohlfühlen und selbstbestimmt handeln kann.

Neben bezahlbarem Wohnraum und knappen Flächen für Neubauten ist der demografische Wandel laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) eine der großen Herausforderungen. Nach dem Jahr 2025 wird die Zahl der Haushalte mit einem Familienmitglied im Alter von 65 stark ansteigen. Aus diesem Grund kann Barrierefreiheit, sowohl bei der Planung des Eigenheims als auch bei der Renovierung des Badezimmers, durchaus ein relevantes Thema sein, denn eine barrierefreie Gestaltung der eigenen vier Wände ist eine sinnvolle Investition in die Zukunft.

Barrierefreiheit bedeutet unter anderem, auf Stufen, Schwellen, Podeste oder hohe Einstiege zu verzichten und für ausreichend breite Türen zu sorgen. Dadurch wird die Bewegungsfreiheit in den einzelnen Zimmern gewährleistet. Im Badezimmer sollten das Waschen, Duschen und Baden ohne Hürden und Grenzen möglich sein. Mit einer durchdachten Planung aller Elemente der Sanitäranlagen und der Einrichtung kann ein barrierefreies Bad allen Generationen große Vorteile bieten.

Bodengleiche Dusche statt Badewanne

Neben geschickt platzierten Waschbecken und WCs, sind Duschplätze mit einem barrierefreien Einstieg hier natürlich ideal. Befliesbare Bodenelemente werden ebenerdig mit einem leichten Gefälle so gestaltet, dass die bodengleiche Dusche problemlos mit einer Gehhilfe oder einem Rollstuhl genutzt werden kann. Eine seitlich an der Wand gelegene Ablaufrinne erleichtert den Zugang zum Duschplatz noch zusätzlich.

Die Badewanne kann mit dieser Lösung vielfach eliminiert werden. Der so entstehende Platz lässt auch zu, dass Pflegebedürftige von Angehörigen oder Pflegepersonal bei Bedarf leichter unterstützt werden können. Unterschiedliche Lebensphasen mit wechselnden Bedürfnissen werden durch ein modernes und barrierefreies Bad problemlos ermöglicht. Im Idealfall bedeutet dies, dass Komfort, Sicherheit und Bewegungsfreiheit zwischen Waschplatz, WC und Dusche so angepasst und umfangreich wie möglich sind. Auch durch eine Teilsanierung kann die Barrierefreiheit des Badezimmers bereits erhöht werden, eine komplette Badsanierung ist nicht zwingend erforderlich.

Foto eines barrierefreien Duschplatzes mit Zugang von zwei Seiten
In diesem Beispiel ist der Duschplatz von zwei Seiten zugänglich.

 

Wohlfühloase statt Krankenhausatmosphäre

Im Gegensatz zu früher kann ein barrierefreies Bad heute richtig edel und hochwertig aussehen. Barrierefreiheit im Bad muss nichts mit Sterilität und Krankenhausatmosphäre zu tun haben. Ganz im Gegenteil – eine durchdachte Gestaltung verwandelt das Bad in einen modernen Wohlfühlbereich. So fügen sich moderne und schön designte Reling-Systeme oder Handtuchhalter, die im Fachhandel angeboten werden, harmonisch ein und passen zu den zeitgemäßen und aktuellen Fliesendesigns. Oft lassen sie auf den ersten Blick nicht erkennen, dass es sich hierbei um Haltegriffe handelt. Im Handel angebotene klappbare Haltegriffe sind besonders platzsparend, so dass sie nicht stören, wenn sie mal nicht gebraucht werden. Auch die Elemente für eine bodengleiche Dusche können nicht nur technisch funktional sein, sondern gleichzeitig auch ein zeitlos modernes Design bieten. Sogar luxuriöse Designlinien mit Goldveredelung sind erhältlich.

Neben der festen, sichtbaren Einrichtung sollten Sie sich zudem überlegen, wie Sie weitere hinderliche Elemente vermeiden können. Badvorleger gegen kalte Füße werden durch eine Fußbodenheizung überflüssig, die zeitgleich auch raumeinnehmende Heizkörper unnötig macht. Pflegeleichte Fliesen sind aufgrund ihrer guten Wärmeleitfähigkeit der ideale Belag für eine Fußbodenheizung. Als Alternative zu herkömmlichen warmwasserbetriebenen Systemen stehen, speziell für den Renovierungsbereich, auch Dünnschichtsysteme mit geringer Aufbauhöhe zur Verfügung. Weiter gibt es elektrische Ausführungen, sogenannte „Dünnbettheizmatten“, die zusammen mit dem Fliesenbelag verbaut werden können. Diese lassen sich ebenfalls als Zusatz- oder Vollheizung einsetzen. Zudem eignen sie sich auch für die Verlegung in bodengleichen Duschen.

Barrierefreiheit fördern lassen

Ein weiterer Aspekt, der bei Überlegung, ein Badezimmer bei der Renovierung gleich als barrierefreies Bad zu gestalten, berücksichtigt werden sollte, sind die verschiedenen Fördermöglichkeiten für ein solches Vorhaben. Für Maßnahmen zur Barrierereduzierung stehen Ihnen beispielsweise bis zu 6.250 Euro Zuschuss pro Wohnung zur Verfügung. Die Fördermöglichkeiten können jedoch nur in Anspruch genommen werden, wenn die Umbauarbeiten zur Reduzierung der Barrieren durch Fachunternehmen umgesetzt werden. Da vor allem bei Badmodernisierungen die baulichen Gegebenheiten eine nicht unerhebliche Rolle spielen und es speziell in Altbauten ungeahnte Komplikationen geben kann, ist die Beauftragung einer Fachfirma ohnehin empfehlenswert. Manchmal geben auch die baulichen Voraussetzungen im Altbau kein komplett barrierefreies Bad her. Deshalb ist der Vor-Ort-Termin des kontaktierten Profis dort besonders wichtig. Erst dann und nach einer umfänglichen Beratung wird der Fachmann die passgenaue Aufteilung vorschlagen können. Die Barrierefreiheit ist eines der Elemente des nachhaltigen Bauens und als solches eine selbstverständliche Eigenschaft der zukunftsfähigen, gebauten Umwelt.

Bezogen auf die Wohnungswirtschaft werden in den kommenden Jahren weit mehr als 2,5 Millionen altengerechte Wohnungen fehlen. Umso wichtiger ist es, dass sich alle Beteiligten, Nutzer, Planer und Ausführende mit dieser Thematik beschäftigen. Der beleuchtete Aspekt betrifft nur den kleinen Teilbereich Badezimmer. Bereits 2014 wurde vom Bundesministerium des Inneren für Bau und Heimat ein Leitfaden Barrierefreies Bauen herausgegeben. Dort sind unzählige weiter Hinweise rund ums Gebäude enthalten.

Neuen Kommentar hinzufügen

Eingeschränktes HTML

  • Erlaubte HTML-Tags: <a href hreflang> <em> <strong> <cite> <blockquote cite> <code> <ul type> <ol start type> <li> <dl> <dt> <dd> <h2 id> <h3 id> <h4 id> <h5 id> <h6 id>
  • Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Website- und E-Mail-Adressen werden automatisch in Links umgewandelt.