Steingut? Steinzeug? Feinsteinzeug? – Unterschiede keramischer Fliesen einfach erklärt

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Saskia Wegener

Sie planen ein Bauvorhaben und sind auf der Suche nach der perfekten Fliese? Der Markt ist groß, aber nicht jede Fliese eignet sich auch für jedes Projekt. In unserem Artikel erklären wir Ihnen kurz und übersichtlich wo die Unterschiede der gängigsten keramischen Fliesen liegen und worauf Sie beim Fliesenkauf achten sollten.

Gemeinsamkeiten

Die Herstellung von Fliesen ist in der DIN EN 14411 Keramische Fliesen und Platten – Begriffe, Klassifizierung, Gütermerkmale und Kennzeichnung geregelt. Die hier aufgeführten Richtlinien sind ausschlaggebend für die qualitativen Eigenschaften aller keramischen Fliesen.

Keramische Fliesen jeglicher Art bestehen grundsätzlich aus denselben Rohstoffen. Als Basis dient Tonerde, die mit Quarzsand, Feldspat und anderen mineralischen Rohstoffen gemischt wird. Je nach Bedarf und dem gewünschten Ergebnis, wird Ton aus verschiedenen Tongruben verwendet. Schon die Mischung der Basismaterialien kann darüber bestimmen, welchen Farbton die Fliese nach dem Brennen haben wird. Durch Beimischung von Oxiden oder Farbpigmenten kann der Farbton der Fliesen noch zusätzlich beeinflusst werden.

Wenn alle benötigten Rohstoffe vermengt worden sind, wird die Mischung, je nach Wassergehalt entweder strang- oder trockengepresst (DIN Formgebungsverfahren A und B). Nach der Formgebung werden die Fliesen zuerst getrocknet und abschließend gebrannt. Unter anderem geben die Temperaturen, bei denen die Fliesen gebrannt werden, dabei Aufschluss darüber, um welche Art es sich handelt.

Steingut

Von den drei vorgestellten Fliesenarten, wird das Steingut bei der niedrigsten Temperatur weiterverarbeitet. Nach der Trocknung werden Steingut-Fliesen bei etwa 900 bis 1100 °C gebrannt. Der Scherben, so nennt sich das entstehende Produkt, hat danach noch eine Wasseraufnahmefähigkeit von mehr als 10 Prozent. Das bedeutet, dass die Fliese noch porös und daher nicht frostfest ist. Zudem ist Steingut stoßempfindlicher als Steinzeug oder Feinsteinzeug.

Wand mit glasierten Steingutfliesen in unterschiedlichen Farben
Steingut im Einsatz: Unterschiedlich glasierte Fliesen für einen individuellen Look im Badezimmer

Vorteilhaft dagegen ist, dass Steingut sich gut bearbeiten lässt und vielseitige Dekore möglich sind. Eine Glasur ist stets notwendig, damit der Scherben wasserdicht wird. Diese kann entweder vor dem   Brennvorgang aufgebracht werden, oder der Scherben wird nach dem ersten Brand glasiert und anschließend, bei einer niedrigeren Temperatur, nochmals gebrannt.

Keramische Fliesen aus Steingut werden nur selten als Bodenfliesen verwendet und finden in  der Regel als Wandfliesen für Innenräume Verwendung.

Steinzeug

Im Gegensatz zum Steingut, darf sich nur Steinzeug nennen, was eine Wasseraufnahmefähigkeit     von unter 3% aufweisen kann. Die geringere Wasseraufnahmefähigkeit ergibt sich aus der höheren Brenntemperatur: Steinzeug wird bei   1150 – 1300 °C gebrannt. Steinzeug ist nicht so porös wie Steingut, keramische Fliesen aus  Steinzeug sind daher auch für Außenbereiche geeignet, da sie frostbeständig sind. Mit einer durch die höhere Brandtemperatur verursachten Dichte ist Steinzeug fester und belastbarer als Steingut.

Keramische Fliesen aus Steingut werden gerne als Bodenbelag verwendet, eignen sich aber natürlich auch als Wandfliesen. Anders als Beläge aus Steingut, müssen Fliesen aus  Steinzeug  nicht unbedingt glasiert werden. Bei Steinzeug-Fliesen gilt es auf die Abriebfestigkeit sowie auf die Rutschhemmung zu achten, die nach Klassen unterteilt werden. Lassen Sie sich am besten von Ihrem Fliesenfachhandel oder von Ihrem Fliesenleger über die Oberflächenstrukturen und ihre Eigenschaften beraten.

Feinsteinzeug

Auch wenn der Name irreführend sein kann: Feinsteinzeug ist keineswegs feiner und damit instabiler als Steinzeug. Ganz im Gegenteil, Feinsteinzeug wird sehr heiß gebrannt, wodurch sich die oberste Schicht der Fliese fast vollständig verdichtet. Die daraus entstehende, sehr geringe Wasseraufnahmefähigkeit liegt bei unter 0,5%.

Feinsteinzeug Fliesen in einem Schwimmbad
In öffentlichen Bereichen wie Schwimmbädern kommt in der Regel Feinsteinzeug zum Einsatz.

Ebenso wie Steinzeug, kommt auch Feinsteinzeug sowohl im Innen- als auch im  Außenbereich zum Einsatz und kann sogar für Fassaden verwendet werden. Aufgrund der hohen Belastbarkeit wird Feinsteinzeug häufig in öffentlichen Bereichen verwendet. Dabei kann die Struktur der Oberfläche so angepasst werden, dass es zu einer sehr hohen Rutschfestigkeit kommt. 

 

 

 

 

 

Übersicht

Fühlen Sie sich gut gewappnet für Ihren Fliesenkauf? In unserer Übersicht fassen wir die wichtigsten Merkmale von Steingut, Steinzeug und Feinsteinzeug für Sie zusammen.

Unterschiede keramischer Fliesen Übersicht Infografik

Lassen Sie sich in jedem Fall von Ihrem Fliesenfachhandel oder Ihrem Fliesenleger beraten, um die für Sie passende keramische Fliese zu finden.

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